Gartnern in der Schweiz: Alpengarten, Mikroklimate und vielseitige Pflanzen
Die Schweiz: Gartnern zwischen Bergen und Seen
Die Schweiz ist ein Land der Extreme. Im sudlichen Tessin wachsen Palmen und Zitrusbaume am Luganersee. Im Berner Oberland bedeckt Schnee den Boden sechs Monate im Jahr. Und im Mittelland — dem Streifen zwischen Genf, Bern und Zurich — bietet ein gemässigtes Klima uberraschend viele Gartenmöglichkeiten.
Winterhartezonen variieren von 6a in den hohen Alpen bis 9a im geschutzten Tessin. Diese Spanne von fast vier Zonen in einem kleinen Land ist einzigartig in Europa. Gartnern in der Schweiz beginnt immer mit der Frage: auf welcher Hohe und in welchem Tal befinde ich mich?
Boden und Hohenzonen
Das Mittelland
Die fruchtbare Ebene zwischen Jura und Alpen hat lehmigen, oft kalkhaltigen Boden. Hier wachsen die meisten Schweizer Garten. Das Klima ist vergleichbar mit Suddeutschland: Winterhartezone 7a bis 7b, mit kalten Wintermonaten aber verlasslichen Sommern.
Die Alpen
Uber 1.000 Metern ist die Saison kurz und die Temperaturschwankungen gross. Der Boden ist oft steinig, kalkhaltig oder mager. Alpenpflanzen — Edelweiss, Enzian, Alpenrosen — sind hier zu Hause. Gemuseanbau gelingt mit Kurzzeit-Sorten und geschutzten Terrassen.
Tessin und der Suden
Der italienischsprachige Suden hat ein mediterran getöntes Klima. Olivenbaume, Palmen, Kamelien und Zitrus wachsen problemlos. Der Boden ist granithaltig und sauer — ideal fur Rhododendren und Azaleen.
Pflanzen, die in Schweizer Garten gedeihen
Stauden
Die Schweizer Gartentraditionen orientieren sich am deutschen Ansatz: Karl-Foerster-Stil-Rabatten mit Ziergrasern und Stauden. Echinacea, Salvia nemorosa, Nepeta und Geranium bilden die Basis. In hoheren Lagen sind alpiner Steinbrech (Saxifraga), Thymian und Lavendel die Champions.
Obstbaume
Apfel und Birne gelingen uberall bis 800 Meter. Kirschen gedeihen bis 600 Meter. Im Wallis wachsen Aprikosen — es ist das warmste Trockental der Schweiz. Walnusse gedeihen gut in geschutzten Talern.
Gemuse
Schweizer lieben ihre Familiengarten. Kartoffeln, Kohl, Mohren und Bohnen sind Standard. In hoheren Lagen wahlen Sie Kurzzeit-Sorten: Radieschen, Salat, Saubohnen und Spinat, die in acht bis zehn Wochen von der Aussaat zur Ernte gehen.
Das Schweizer Gartenjahr
Marz-April: Im Mittelland beginnt die Saison. Schneiden Sie Obstbaume und Rosen. In den Bergen liegt noch Schnee — Geduld ist hier die Tugend.
Mai: Nach den Eisheiligen (Kalte Sophie am 15. Mai) darf alles in die Erde. In Berggebieten warten Sie bis Anfang Juni.
Juni-August: Die Wachstumsexplosion. Langes Tageslicht und warme Tage kompensieren die kurzere Saison. Giessen ist dank regelmasiger Bergschauer weniger notig.
September-Oktober: Ernte und Vorbereitung. Pflanzen Sie Zwiebeln und neue Stauden. In den Bergen kann der erste Schnee schon im Oktober fallen.
November-Februar: Der Garten ruht. Planen, bestellen und auf die neue Saison vorbereiten.
Mikroklimate nutzen
Schweizer Gartner sind Meister im Nutzen von Mikroklimaten. Eine durch eine Felswand geschutzte Terrasse kann zwei Zonen warmer sein. Die Ufer des Genfer Sees oder Zurichsees profitieren vom Wassereffekt: mildere Winter und langere Wachstumssaison. Sudhange im Rhonetal sind warm genug fur Trauben und Aprikosen.
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