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Holzregentonne an einem Fallrohr in einem grunen Garten
Gartenanlage19. März 20265 min

Regenwassernutzung im Garten: von der Regentonne bis zur Zisterne

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Kostenloses Wasser vom Himmel

In Deutschland fallen je nach Region zwischen 500 und 1.000 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit 100 m² Dachflache sind das 50.000 bis 100.000 Liter Wasser jahrlich. Genug, um einen normalen Garten die gesamte Saison zu bewassern — und momentan fliesst das meiste davon direkt in die Kanalisation.

Regenwasser zu sammeln ist so naheliegend, dass man sich fragt, warum es nicht jeder macht. Regenwasser ist besser fur Pflanzen (kein Kalk, kein Chlor), es spart Trinkwasser, senkt die Wasserrechnung und entlastet die Kanalisation bei Starkregen. Die Investition rechnet sich innerhalb weniger Jahre.

Wie viel Wasser konnen Sie auffangen?

Die Berechnung ist einfach: Dachflache in m² × Jahresniederschlag in Metern × 0,9 (Verlustfaktor fur Verdunstung und Spritzer). Ein Dach von 100 m² bei 750 mm Niederschlag ergibt: 100 × 0,75 × 0,9 = 67.500 Liter pro Jahr. Das sind rund 185 Liter pro Tag im Durchschnitt.

Im Sommer regnet es weniger und der Wasserbedarf ist hoher. Im Winter ist es umgekehrt. Die Speicherkapazitat ist der entscheidende Punkt: je mehr Sie puffern konnen, desto weniger sind Sie in Trockenperioden auf Leitungswasser angewiesen.

Auffangmoglichkeiten

Die klassische Regentonne

Die einfachste Losung. Eine Regentonne mit 200–300 Liter Fassungsvermogen steht neben dem Fallrohr und fangt das Wasser direkt auf. Vorteile: gunstig (30–80 EUR), einfach aufzustellen, kein Erdaushub. Nachteile: begrenzte Kapazitat, lauft bei starkem Regen uber, im Sommer schnell leer.

Tipp: Schalten Sie mehrere Tonnen in Reihe. Drei 300-Liter-Tonnen geben Ihnen 900 Liter Puffer. Verbinden Sie sie mit einem Uberlaufschlauch auf Dreiviertelhohe.

IBC-Container

Ein IBC (Intermediate Bulk Container) ist ein Industriebehalter mit 1.000 Liter Fassungsvermogen in einem Stahlkafig. Gebraucht kosten sie 25–50 EUR — ein Schnappchen pro Liter Speicher. Nachteil: sie sehen unschon aus. Bauen Sie eine Verkleidung aus Holzlatten oder einen Sichtschutz drum herum, oder streichen Sie den Innenbehalter dunkel, um Algenwachstum zu hemmen.

Dekorative Regentonne

Regentonnen in Amphoren-, Fass- oder Saulenform. Hubscher, aber teurer (80–250 EUR) und meist kleiner (150–250 Liter). Geeignet, wenn die Tonne im Vorgarten sichtbar steht.

Unterirdische Zisterne

Die ernsthafte Losung. Ein Kunststoff- oder Betontank mit 1.500 bis 10.000 Liter Fassungsvermogen, eingegraben im Garten. Vorteile: riesige Kapazitat, unsichtbar, das Wasser bleibt kuhl und algenfrei. Nachteile: Erdaushub, hohere Kosten (800–3.000 EUR einschliesslich Einbau), und Sie brauchen eine Pumpe, um das Wasser nach oben zu fordern.

Bei Neubauten lohnt sich eine Zisterne fast immer. Bei bestehenden Garten muss ein Minibagger aufs Grundstuck — was nicht immer moglich ist.

Anschluss ans Fallrohr

Die meisten Tonnen und Tanks werden uber einen Regensammler oder Laubabscheider gefullt, der ins Fallrohr eingesetzt wird. So funktioniert es:

  1. Fallrohr auftrennen auf der gewunschten Hohe
  2. Regensammler einsetzen — er filtert groben Schmutz und leitet das Wasser zur Tonne
  3. Uberlauf anschliessen an die Kanalisation, eine Sickergrube oder einen Regengarten

Ein Laubabscheider kostet 15–40 EUR und verhindert, dass Blatter und Astchen Ihre Tonne verschmutzen. Reinigen Sie ihn zweimal jahrlich.

Uberlauf: wohin mit dem Wasser bei voller Tonne?

Das vergessen viele. Bei voller Tonne lauft das Wasser uber den Rand und bildet eine Matschpfutze neben dem Haus. Schliessen Sie immer einen Uberlauf an, der uberschussiges Wasser ableitet zu:

  • Der Kanalisation (die einfachste Option)
  • Einer Sickergrube im Garten (Wasser versickert langsam)
  • Einem Regengarten oder einer Rigole (siehe unten)
  • Einer zweiten Tonne in Reihe

Pumpen fur Wasserdruck

Wasser aus der Regentonne fliesst per Schwerkraft: Tonne erhoht aufstellen und Schlauch an den Hahn unten anschliessen. Das reicht fur eine Giesskanne, aber nicht fur einen Rasensprenger oder eine Tropfbewasserung.

Fur Druck brauchen Sie eine Gartenpumpe. Eine Tauchpumpe (40–120 EUR) hangt in der Tonne; eine Saugpumpe (70–200 EUR) steht daneben. Fur eine Zisterne benotigen Sie ein Hauswasserwerk (120–350 EUR) mit automatischer Ein- und Ausschaltung.

Kombination mit Tropfbewasserung

Tropfbewasserung mit Regenwasser ist der heilige Gral des nachhaltigen Gartnerns. Schliessen Sie Ihre Pumpe an eine Zeitschaltuhr und ein Tropfschlauchsystem an, und Ihr Garten bewassert sich automatisch mit kostenlosem Regenwasser. Setzen Sie immer einen Filter zwischen Pumpe und Tropfsystem — feiner Schmutz verstopft die Tropfer.

Regengarten und Bioswale

Ein Regengarten ist eine vertiefte Flache, bepflanzt mit Arten, die sowohl Nasse als auch Trockenheit vertragen. Bei Regen fliesst das Wasser dorthin, versickert langsam im Boden und versorgt die Pflanzen. Eine Bioswale (bepflanzte Mulde) erfullt die gleiche Funktion in linearer Form.

Geeignete Pflanzen fur den Regengarten

  • Iris pseudacorus (Sumpf-Schwertlilie) — vertragt Trockenheit und vorubergehende Uberschwemmung
  • Lythrum salicaria (Blutweiderich) — prachtvolle violette Blutenstande
  • Carex (Segge) — wintergrunes Ziergras
  • Eupatorium (Wasserdost) — zieht Schmetterlinge an
  • Cornus sericea (Seidiger Hartriegel) — leuchtend rote Wintertriebe

Mit GardenWorld konnen Sie vorab sehen, wie ein Regengarten in Ihrem Garten aussehen wurde, inklusive passender Bepflanzung fur Ihren Boden und Ihre Klimazone.

Rigole und Versickerungsmulde

Eine Rigole ist eine flache, breite Mulde (30–50 cm tief) gefullt mit Kies oder Schotter, abgedeckt mit einer Schicht Erde und Bepflanzung. Bei Starkregen wirkt die Rigole als Puffer: das Wasser versickert langsam statt uber die Oberflache abzufliessen.

In Neubaugebieten werden Rigolen immer haufiger als Alternative zur Kanalisation angelegt. In bestehenden Garten konnen Sie selbst eine kleine Rigole entlang Ihrer Terrasse oder Ihres Gartenwegs graben, um Oberflachenwasser aufzufangen.

Wasserdurchlassige Belage

Jeder Quadratmeter versiegelter Flache, den Sie durch einen wasserdurchlassigen Belag ersetzen, gewinnt Versickerungskapazitat. Optionen:

  • Rasengittersteine: Betonsteine mit Offnungen, durch die Gras wachst
  • Kieswabenplatten: Kunststoffgitter gefullt mit Kies
  • Porose Pflastersteine: Spezialsteine, die Wasser durchlassen
  • Breite Fugen: normale Pflastersteine mit grosszugigen Fugen, gefullt mit Splitt

Die Durchlassigkeit liegt zwischen 50 und 300 Liter pro m² pro Stunde — weit mehr als selbst bei starksten Regenfallen notig.

Grundach

Ein Sedumdach auf Ihrem Schuppen, Ihrer Garage oder Ihrem Carport halt 15–35 Liter pro m² zuruck. Ein Teil verdunstet, der Rest fliesst verzogert in Ihr Fallrohr ab. Zusatzlicher Vorteil: Warmedammung im Sommer und Winter.

Ein Sedumdach kostet 40–80 EUR/m² installiert. Die Konstruktion muss das Mehrgewicht tragen (50–100 kg/m² bei Sattigung) — lassen Sie das immer von einem Statiker prufen.

Forderung und Zuschusse

Viele Kommunen in Deutschland fordern die Regenwassernutzung. Die Formen variieren:

  • Direktzuschusse: 500–2.000 EUR fur Zisternen und Versickerungsanlagen
  • Reduzierte Abwassergebuhren: Wer Regenwasser vom Kanal abkoppelt, zahlt weniger Niederschlagswassergebuhr. In manchen Gemeinden sind das 0,50–1,50 EUR/m² versiegelter Flache pro Jahr — bei 100 m² Dach also 50–150 EUR jahrliche Ersparnis.
  • Landerforderung: Einige Bundeslander bieten zusatzliche Programme, oft im Rahmen von Klimaanpassungsmassnahmen.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeindeverwaltung und Ihrem Abwasserzweckverband.

In Osterreich und der Schweiz gibt es ahnliche kommunale Forderungen — die Bedingungen variieren je nach Kanton oder Gemeinde.

Kosten-Nutzen-Analyse

LosungKostenJahrliche Ersparnis
Regentonne 300L30–80 EUR10–25 EUR
3 Tonnen in Reihe90–240 EUR30–70 EUR
IBC 1.000L25–50 EUR + Verkleidung40–80 EUR
Zisterne 3.000L1.000–2.500 EUR80–160 EUR
Regengarten 10 m²200–500 EURindirekt

Die Ersparnis hangt von Ihrer Gartengrosse und Ihrem Wasserverbrauch ab. Ein Haushalt mit 100 m² Garten, der im Sommer zweimal pro Woche sprengt, verbraucht rund 10.000 Liter pro Saison. Bei einem Trinkwasserpreis von etwa 4 EUR/m³ (inklusive Abwasser) sind das 40 EUR. Rechnen Sie die eingesparte Niederschlagswassergebuhr hinzu, steigt die Ersparnis auf 80–150 EUR jahrlich. Der wahre Gewinn liegt darin, unabhangig von Bewasserungsverboten zu sein und die Umwelt zu entlasten.

Wartung

Filter und Laubabscheider

Kontrollieren und reinigen Sie Ihren Laubabscheider zweimal jahrlich: im Fruhjahr und nach dem Laubfall im November. Ein verstopfter Filter lasst das Wasser am Fallrohr hinunterlaufen statt in Ihre Tonne.

Muckenvorbeugung

Stehendes Wasser zieht Mucken an. Verhindern Sie, dass Ihre Regentonne zur Brutstatte wird:

  • Decken Sie die Tonne immer mit einem Deckel oder Fliegengitter ab
  • Legen Sie ein Stuck Kupfer ins Wasser (Muckenlarven vertragen keine Kupferionen)
  • Verwenden Sie biologisches Larvizid (Bti), wenn die Tonne offen bleiben muss

Winterfest machen

In Regionen mit strengem Frost: Leeren Sie Regentonnen vor dem Winter oder lassen Sie sie zu einem Viertel voll mit einer Styroporplatte darin, um die Ausdehnung aufzufangen. Zisternen mussen nicht geleert werden — sie liegen frostfrei.

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