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Purpurrote Blueten von Serapias nurrica, der Nurra-Zungenorchidee
Orchidaceae5. Juni 202612 min

Serapias nurrica: kompletter Ratgeber

Serapias nurrica

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Allgemeine Beschreibung

Serapias nurrica, die Nurra-Zungenorchidee oder auf Franzosisch Serapias de la Nurra, ist eine terrestrische Orchidee aus der Familie der Orchidaceen. Sie wurde 1982 vom italienischen Botaniker Bruno Corrias anhand von sardischen Exemplaren beschrieben; der Artname bezieht sich auf die historische Region Nurra im Nordwesten Sardiniens. Mit ihrer zungenformigen Lippe und ihrer ungewohnlichen Bestaubungsstrategie durch ubernachtende Solitarbienen gehort sie zu den faszinierenden Vertreterinnen der europaischen Orchideenflora.

Das naturliche Verbreitungsgebiet umfasst den westlichen Mittelmeerraum: Sardinien, Korsika, Sizilien, die Balearen, Teile des sudlichen Frankreich und Italiens sowie Tunesien. Die Pflanze wachst in offenen bis halboffenen Lebensraumen mit sauren, nahrstoffarmen und gut durchlassigen Boden in Macchie, Garrigue und Kustengrundwiesen, die im Sommer vollstandig austrocknen.

Fur Liebhaber mediterraner Pflanzen im deutschsprachigen Raum ist die Kultur von Serapias nurrica eine anspruchsvolle Herausforderung, die Kenntnisse uber ihre Mykorrhiza-Abhangigkeit und ihren saisonalen Rhythmus erfordert. Auf gardenworld.app finden Sie Gartendesign-Ideen fur mediterran inspirierte Bepflanzungskonzepte.

Erscheinungsbild und Blutezeit

Serapias nurrica erreicht im Bluezustand eine Hohe von 20-40 cm. Ihre Blueten sind purpurrot bis dunkelviolett gefarbt, mit dunkleren Adern auf der zungenformigen Lippe und einem helleren Basalbereich. Die Galea, geformt aus den verwachsenen Kelch- und Petalen, bildet einen schirmartigen Bogen uber der Lippe. Die Bestaubung erfolgt durch Solitarbienenmannchen, die die Blutenoffnung als Schlafstatte verwechseln und dabei Pollen ubertragen.

Die Blutezeit erstreckt sich von Marz bis Juni, mit einem Hohepunkt im April und Mai je nach Hohenlage und Standort. Die schmalen, lanzettlichen Blatter sind hellgrun, gelegentlich mit kleinen braunen Flecken. Nach der Blutezeit zieht die Pflanze vollstandig ein und uberdauert als unterirdische Knollen bis zur Herbstwiederaustreibung.

Idealer Standort

Im naturlichen Lebensraum bevorzugt Serapias nurrica sonnige bis halbschattige, offene Standorte mit sparsamer Vegetation auf gut drainiertem, saurem Boden. Fur die Kultur ausserhalb des Mittelmeerraums eignet sich ein Kalthaus oder ein ungeheheiztes Gewachshaus am besten; im Sommer kann die Pflanze ins Freie gestellt werden. Die Mykorrhiza-Abhangigkeit der Pflanze ist fur ihre Langzeitkultur entscheidend. Die Einmischung von etwas Substrat vom naturlichen Standort kann die richtigen Pilzpartner einfuhren und die Vitalitat der Pflanze langfristig sichern.

Substrat

Der pH-Wert des Substrats sollte zwischen 4,5 und 5,0 liegen. Geeignet ist ein Gemisch aus zwei Teilen grobem Perlite oder Bims, einem Teil Grobsand und einem Teil ungedungtem Torf oder Torfersatz. Handelsublicche Blumenerde ist ungeeignet. Begiessen Sie ausschliesslich mit Regenwasser oder entmineralisiertem Wasser, um den niedrigen pH-Wert zu erhalten. Kalkhaltiges Leitungswasser wird die Pflanze auf Dauer schadigen.

Bewasserung

Der Bewasserungsrhythmus muss dem mediterranen Jahresrhythmus der Pflanze folgen: Oktober bis Mai regelmasige Bewasserung mit Regenwasser, sobald die Substratoberflache abgetrocknet ist. Ab Juni die Bewasserung schrittweise reduzieren. Von Juli bis September das Substrat fast vollig trocken halten, hochstens alle drei bis vier Wochen minimal giessen. Im September signalisiert die Wiederaufnahme der Bewasserung den Start der neuen Vegetationsperiode.

Schnitt

Kein aktiver Schnitt notwendig. Nach der Blute Stiele erst entfernen, wenn sie vollstandig vertrocknet sind. Abgestorbene Blatter im Herbst vorsichtig abnehmen, um Schimmelpilzbefall zu verhindern. Eine dunne Schicht Feinkies auf dem Substrat verhindert Verkrustung und reduziert Pilzrisiken.

Pflegekalender

Oktober - November: Neue Blattaustriebe erscheinen. Regelmasige Bewasserung mit Regenwasser beginnen. Frostschutz unter -5 Grad Celsius.

Dezember - Februar: Aktives Blattwachstum. Heller, luftiger Standort. Massvoll giessen.

Marz - April: Blutenentwicklung, fruhe Blute an tief gelegenen Standorten. Direktes Sonnenlicht bevorzugt.

Mai - Juni: Blutehohepunkt. Nach der Blute Bewasserung reduzieren und Luftzirkulation sicherstellen.

Juli - September: Sommerruhe. Substrat fast trocken halten. Abgestorbenes Laub ist normal.

Winterharte

Serapias nurrica entspricht den USDA-Zonen 8-9 und vertragt kurze Froste bis etwa -5 bis -8 Grad Celsius auf gut durchlassigem Substrat. Langere Froste oder Temperaturen unter -10 Grad Celsius schadigen die Knollen. Im deutschsprachigen Raum ist uberwinterung in einem frostfreien, ungeheheizten Gewachshaus oder Kaltkasten empfohlen. Fur Freilandkultur in besonders milden, windgeschutzten Lagen der Rheinebene oder des Bodenseegebiets kann Frostschutz mit trockenem Laub ausreichen; dies bleibt aber ein Grenzfall.

Pflanzpartner

In einer Sammlung mediterraner Geophyten passt Serapias nurrica gut zu Cyclamen repandum, Arisarum vulgare und anderen Serapias-Arten wie Serapias lingua oder Serapias cordigera. Alle teilen den Winter-aktiven, Sommer-dormanten Lebensrhythmus. In einem mediterranen Kalthaus harmoniert sie mit Cistus-Arten, Helianthemum, Lavandula stoechas und Thymus. Vermeiden Sie nahrstoffhungrige oder konkurrenzkraftige Nachbarpflanzen. Fur umfassende Gartengestaltungsideen mit Spezialitaten aus dem Mittelmeerraum besuchen Sie gardenworld.app.

Fazit

Serapias nurrica ist eine Orchidee fur den leidenschaftlichen Liebhaber, der bereit ist, ihren spezifischen mediterranen Lebenszyklus zu verstehen und nachzuahmen. Das richtige saure, arme und gut durchlassige Substrat, ein striktes Bewasserungsregime und Frostschutz im Winter sind die Grundvoraussetzungen fur eine erfolgreiche Kultur. Die Biene-als-Schlafgast-Bestaubung, die leuchtend purpurroten Blueten und die enge Verbindung zu Bodenpilzen machen diese Pflanze zu einem faszinierenden Thema fur Freunde der Botanik und der Naturbeobachtung.

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