Filz-Bingelkraut: kompletter Ratgeber
Mercurialis tomentosa
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Uebersicht
Mercurialis tomentosa, auf Deutsch als Filz-Bingelkraut bezeichnet, ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Euphorbiaceae. In der Natur kommt sie in Suedwesteuropa vor: Spanien, Portugal, Suedfrankreich und die Balearen. Der Artname tomentosa (lateinisch fur "filzig" oder "dicht behaart") beschreibt das auffalligste Merkmal der Pflanze treffend: Stangel, Blatter und Blutenstiele sind mit einem dichten, weich-weissgrauen Filz bedeckt, der der Pflanze ein silbriges, dekoratives Erscheinungsbild verleiht.
Es handelt sich um eine zweihausige Pflanze: Mannliche und weibliche Blueten befinden sich auf getrennten Individuen. Die weiblichen Pflanzen tragen kleine, unscheinbare grune Blueten, die zu kleinen, borstigen, zweiteiligen Fruchten heranreifen. Das Filz-Bingelkraut gehort zu einem in Europa gut vertretenen Genus; das bekannte Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) wachst in Laubwaldern Mitteleuropas, wahrend die Filz-Art deutlich warme- und trockenheitsliebender ist.
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Aussehen und Blute
Das Filz-Bingelkraut wachst als kompakte, aufrechte Staude und erreicht 20 bis 60 cm Hohe. Blatter, Stangel und Blutenstiele sind vollstandig mit einem weichen, weissgrauen Filz bedeckt. Die Blatter sind langlich bis eiformig, gezahnt am Rand, 2 bis 6 cm lang, sitzend oder kurz gestielt, und durch den Filz graugrun gefarbt. Die Blueten sind unscheinbar klein und grun, typisch fur windbestaubende Euphorbiaceae. Die Blute erstreckt sich von April bis Oktober - ein aussergewohnlich langer Blutezeitraum. Mannliche Blueten bilden aufrechte Ahren; weibliche sind kleiner und achselstandig. Die Pflanze treibt jahrlich aus einem verholzten Rhizom neu aus.
Idealer Standort
Das Filz-Bingelkraut benotigt einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit mindestens sechs Stunden direktem Sonnenlicht taglich. In seiner Heimat besiedelt es trockene Felshange, Garrigue und steinige Kalkflachen in der mediterranen Zone Spaniens und Portugals. Es vertragt intensive Hitze und lang anhaltende Trockenheit, aber keine lang andauernde Winternasse. Im Garten eignet sich ein warmer, geschutzter Platz - an einer sudexponierten Mauer oder in einem gut drainierenden Hochbeet. In Topfen auf der Terrasse gedeiht es gut bei freiem Wasserabzug.
Boden
Das Filz-Bingelkraut bevorzugt stark durchlassige, kalkhaltige bis neutrale Boden mit einem pH-Wert von 7,5 bis 8. Trockene, steinige und nahrstoffarme Boden kommen ihm entgegen; schwere, nasse Tonboden sind unbedingt zu meiden, da sie zu Wurzelfaule fuhren. Bei schweren Boden die oberen 30 cm mit grobem Sand oder Kies verbessern. Eine Kiesschicht als Mulch rund um die Pflanze fordert schnellen Wasserabfluss nach Regenfallen und reproduziert das Habitat der sudeuropaischen Garrigue. Je magerer und steiniger der Boden, desto dichter und grauer wird das wollige Laub.
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Bewasserung
Einmal eingewurzelt, ist Mercurialis tomentosa ausgesprochen trockenheitstolerant. In den ersten Wochen nach der Pflanzung massvoll giessen, um die Einwurzelung zu fordern. Danach: so wenig wie moglich, dafur grundlich - alle zwei Wochen in trockenen Sommern reicht vollig aus. Staunasse und dauerhafte Bodenfeuchte schaden der Pflanze erheblich. Bei Topfkultur stets fur freien Wasserabfluss sorgen und im Winter so gut wie gar nicht giessen, um die gefahrliche Kombination aus Kalte und Feuchtigkeit zu vermeiden.
Schnitt
Ein regelmasiger Schnitt ist nicht erforderlich. Im fruhfruhling, im Februar oder Marz, abgestorbene Stangel bis kurz uber dem Boden abschneiden; das Rhizom treibt rasch neu aus. Fur einen kompakteren Wuchs konnen nach dem ersten Wachstumsschub im Mai-Juni die langsten Triebe leicht eingekurzt werden. Zu gross gewordene Horste lassen sich im fruhfruhling problemlos teilen und so vermehren.
Pflegekalender
Januar - Februar: Wenig Aufwand. Bei anhaltender Kalte Wurzelbereich mit trockenem Stroh mulchen. Nicht giessen.
Marz - April: Abgestorbene Stangel entfernen. Neue Triebe aus dem Rhizom erscheinen bald. Vorsichtiges Giessen beginnen.
Mai - Juni: Wachstum und Blutebeginn. Kiesdecke pruefen und erganzen. Keine Dungung notwendig.
Juli - August: Vollblute. Alle zwei Wochen tief giessen, wenn kein Regen faellt. Auf Schmierlause kontrollieren.
September - Oktober: Blute klingt ab. Fruchte an der Pflanze belassen fur ornamentale Textur.
November - Dezember: Stangel absterben lassen; sie schutzen das Rhizom bei Frost. Erst im Februar zuruckschneiden.
Winterharte
Das Filz-Bingelkraut ist massig winterhart und vertragt kurze Froste bis etwa -8 bis -10 Grad Celsius bei guter Drainage. In USDA-Hartezone 8 uberwintert es im Freien an geschutzter Stelle ohne Probleme. In Zone 7 oder kalter empfiehlt sich ein trockenes Mulchpolster aus Stroh um den Wurzelstock; Topfpflanzen an einen hellen, frostfreien Winterquartier stellen. Das Rhizom ist oft zahlebiger als die Stangel vermuten lassen - selbst wenn der Aufwuchs erfriert, kann die Pflanze im Fruhling neu austreiben, sofern keine dauerhaft nasskalten Bedingungen vorlagen.
Begleitpflanzen
Das Filz-Bingelkraut harmoniert hervorragend mit anderen mediterranen Trockenpflanzen: Lavendel (Lavandula angustifolia), Cistus, Salbei (Salvia officinalis), Rosmarin (Salvia rosmarinus), Thymian (Thymus), Wollziest (Stachys byzantina - ebenfalls stark behaart) und niedrige Euphorbien. Im Steingarten eignen sich Sedum, Sempervivum und Blauschwingel (Festuca glauca) als Nachbarpflanzen. Feuchtigkeitsbedurftige Pflanzen wie Funkien oder Astilben sind ungeeignet. Im Fachhandel bei OBI oder Hornbach ist die Art selten; spezialisierte Mediterranstauden-Gartnereien sind die richtige Anlaufstelle.
Schluss
Mercurialis tomentosa ist eine aussergewohnliche, anspruchslose Staude fur trockene, sonnige Garten. Ihr filziges, graugruenes Laub bringt Struktur und mediterranes Flair in Steingarten und Trockenborduren, und die lange Blutezeit von April bis Oktober ist ein weiterer Vorzug. Mit gut drainierendem Standort und sparsamer Bewasserung bereitet diese Pflanze uber Jahre Freude. Weitere Pflanzenportrats und Gestaltungsideen fur Trockengarten finden Sie auf gardenworld.app.
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