Süßholz: kompletter Ratgeber
Glycyrrhiza glabra
Überblick
Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist mehr als nur ein Zutat für Lakritze – es ist eine anspruchsvolle, aber lohnende Staude für den heimischen Garten. Als Mitglied der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) wächst es als ausdauernde Krautpflanze oder kleiner Strauch und erreicht eine Höhe von 1 bis 1,5 Metern. Ursprünglich aus Südosteuropa und Westasien stammend – unter anderem aus Griechenland, Bulgarien und dem Iran – gedeiht es am besten in sonnigen, warmen Lagen. In Deutschland ist es in den USDA-Zonen 6 bis 9 winterhart, was bedeutet, dass es in den meisten Regionen ohne besonderen Schutz überwintern kann.
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Aussehen & Blühzyklus
Süßholz hat aufrechte, verzweigte Stängel mit gefiederten Blättern, die aus 9 bis 17 schmalen, dunkelgrünen Fiederblättchen bestehen. Das Laub ist leicht behaart und schließt sich nachts teilweise. Von Juli bis August erscheinen dichte, aufrechte Blütenstände mit kleinen, blasslila bis weißen Blüten, die für Bienen und Schwebfliegen besonders attraktiv sind. Diese Blüten tragen zur Artenvielfalt im Garten bei.
Nach der Blüte bilden sich flache, behaarte Hülsenfrüchte von 2 bis 3 cm Länge. Diese reifen im Spätsommer und können im September oder Oktober geerntet werden, um im nächsten Frühjahr ausgesät zu werden. Die eigentliche Besonderheit liegt jedoch unter der Erde: dicke, süß schmeckende Wurzeln, die sich nach 3 bis 4 Jahren voll entwickeln. Diese können bis zu 1,5 Meter tief in den Boden reichen, weshalb eine tiefe, ungestörte Pflanzstelle entscheidend ist.
Idealer Standort: Sonne, Schatten oder Halbschatten
Süßholz braucht volle Sonne – mindestens 9 von 10 auf der Lichtskala. Pflanze es an eine Süd- oder Südwestseite, wo es den ganzen Tag über direktes Sonnenlicht erhält. Pro Pflanze solltest du mindestens 60 cm Platz einplanen, da es sich langsam über Ausläufer ausbreitet. In kleineren Gärten eignet sich ein großer, tiefer Topf (mindestens 60 cm tief), um das Wurzelwachstum zu kontrollieren.
Auf gardenworld.app kannst du ein digitales Beetlayout anlegen, in dem du die Wachstumsdynamik des Süßholzes über mehrere Jahre simulierst und so Kollisionen mit anderen Stauden vermeidest.
Boden & Untergrundanforderungen
Ein tiefgründiger, lockerer Lehmboden mit einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7 ist ideal. Schwere, staunasse Böden vermeiden – Wurzelfäule ist eine ernste Gefahr. Bei Tonböden kannst du Sand oder Lavagranulat untermischen. In sandigen Böden hilft Kompost oder verrotteter Stallmist, Feuchtigkeit und Nährstoffe zu speichern. Süßholz bindet Stickstoff, daher braucht es keinen übermäßig nährstoffreichen Boden.
Bewässerung: Wann und wie viel
In den ersten beiden Jahren regelmäßiges Gießen, besonders in trockenen Sommern (Juni–Juli). Danach ist die Pflanze dank ihrer tiefen Wurzeln gut trockenresistent. Gieße nur, wenn die obersten 2,5 cm des Bodens trocken sind. Tiefes, aber seltenes Gießen ist wirksamer als häufige, flache Bewässerung.
Schnitt: Wann und wie
Süßholz benötigt kaum Schnitt. Im März kannst du die abgestorbenen Stängel auf etwa 10 cm über dem Boden zurückschneiden. Das fördert frisches Wachstum und hält das Beet ordentlich. Wenn du Samen gewinnen möchtest, lasse einige Hülsen bis Ende Oktober stehen, bevor du das Pflanzenmaterial entfernst.
Pflegekalender
- Jan: Frostschäden prüfen, besonders bei Jungpflanzen
- Feb: keine Maßnahmen nötig
- Märs: abgestorbene Triebe schneiden, Kompost einarbeiten
- Apr: auf Wurzelläufer achten, ggf. Mulch aufbringen
- Mai: auf Blattläuse kontrollieren, bei Trockenheit gießen
- Jun: hohe Stängel stützen, wenn nötig
- Jul–Aug: Hauptblütezeit, hohe Bestäuberaktivität
- Sep: reife Hülsen sammeln, Vorbereitung auf Wurzelernte
- Okt: Wurzelernte bei 3–4 Jahre alten Pflanzen
- Nov: Pflanzenreste entfernen, leicht mulchen in kalten Regionen
- Dez: Wurzelhals kontrollieren, Schutz bei Wechselfrost
Winterhärte & Schutz
Süßholz ist winterhart bis USDA-Zone 6. In kälteren Gebieten (z. B. Erzgebirge, Bayerischer Wald) schützt ein leichter Mulch aus Stroh oder Laub den Wurzelhals. Die oberirdischen Teile sterben im Winter ab, aber die Pflanze treibt im Frühjahr wieder aus.
Begleitpflanzen & Kombinationen
Kombiniere Süßholz mit anderen sonnenliebenden, trockenheitstoleranten Stauden wie Lavendel, Salbei, Schafgarbe oder Katzenminze. Es eignet sich gut als Hintergrund für Ziergräser wie Calamagrostis oder Stipa. Meide feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Funkien. Als ideale Begleiter wirken andere Hülsenfrüchtler wie Klee oder Luzerne, die den Boden mit Stickstoff anreichern.
Abschluss
Süßholz ist eine lohnende Pflanze für alle, die Heilpflanzen, essbare Wurzeln oder pflegeleichte Stauden schätzen. Die Wurzeln sind nach 3–4 Jahren erntereif – aber ernte nie mehr als ein Drittel, um die Pflanze am Leben zu erhalten. Beziehe Jungpflanzen von vertrauenswürdigen Gärtnereien wie OBI oder Hornbach. Mit etwas Geduld und der richtigen Pflege wird Süßholz ein langlebiger und nützlicher Bestandteil deines Gartens.