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Draba tomentosa mit weissen Bluten auf Kalkfels in den Alpen
Brassicaceae7. Juni 202612 min

Filziges Felsenblumchen: kompletter Ratgeber

Draba tomentosa

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Steckbrief

Das Filzige Felsenblumchen (Draba tomentosa) ist eines der kleinsten und charmantesten Mitglieder der Brassicaceae-Familie in der alpinen Flora Europas. Es bildet dichte, silbergrau behaarte Polster, die sich flach an Kalkfelsen, Schutthalden und Felsspalten in den Alpen, Karpaten und Apenninen schmiegen - meist in Hohen zwischen 1.500 und 2.800 Metern. Die Pflanzenhohe ubersteigt selten funf bis sechs Zentimeter, und doch gewinnt dieses Miniaturwunderchen das Herz jedes Steingartenliebhabers im Sturm.

Der Artname 'tomentosa' ist lateinisch fur 'filzig behaart', und diese Bezeichnung trifft das augenfallligste Merkmal genau: Alle oberirdischen Pflanzenteile sind dicht mit weissen Sternhaarchen besetzt, die der Pflanze ihre charakteristische silbrig-graue Farbung geben - auch ausserhalb der Blutezeit. Auf gardenworld.app finden Sie Inspirationen, wie solche kleinen Alpenpflanzen in attraktive Steingartengestaltungen eingebunden werden konnen.

Erscheinungsbild und Blutezyklus

Die Polster von Draba tomentosa sind fest und kompakt. Jede Rosette besteht aus kleinen spatelformigen Blattern von funf bis acht Millimetern Lange, die beidseitig mit weissen Sternhaaren besetzt sind. Im Laufe der Jahre fugen sich mehrere Rosetten zu einem dichten Teppich zusammen, der bei alten Exemplaren bis zu funfzehn Zentimeter Durchmesser erreichen kann.

Die Blutezeit fallt in Juli und August - damit zahlt dieses Felsenblumchen zu den spatbluhenden Draba-Arten, was fur den Steingarten besonders wertvoll ist, da die Bluhsaison so bis in den Hochsommer verlangert wird. Funf bis zehn Zentimeter hohe Blutenstande erheben sich uber das Polster und tragen kleine Trauben weisser vierblattiger Bluten von vier bis sechs Millimetern Durchmesser. Nach der Blute bilden sich kleine ovale Schotechen, die das typische Erkennungszeichen der Brassicaceae sind und bis in den Herbst dekorativ bleiben.

Idealer Standort

In der Natur wachst Draba tomentosa ausschliesslich auf kalkreichen Felsstandorten: Felsspalten, Kalkschutthalden und sonnenexponierte Felsbander. Ubersetzt in Gartenanforderungen bedeutet das: volle Sonne, perfekte Drainage und moglichst ein kalkreicher oder kalkhaltiger Untergrund. Halbschatten ist nicht geeignet - in zu dunkler Lage verliert das Polster seine kompakte Form.

In der Gartenpraxis eignen sich Steingartenanlagen mit Kalkgestein, alpine Beete, Trogebeete und die Fugen trockener Kalksteinmauern besonders gut. In Mauerfulgen ist der Standort oft ideal: Die Wurzeln konnen tief in die kuhlen Innenbereiche eindringen, wahrend die oberirdischen Teile trocken bleiben.

Boden

Ein sehr durchlassiger, nahrstoffarmer und kalkreicher Boden ist unbedingt notwendig. Das optimale Substratgemisch besteht aus zwei Teilen grobem Kies oder feinem Kalksteinschotter, einem Teil grobem Quarzsand und einem Teil zerkleinertem Kalkstein oder Kreide. Der pH-Wert sollte zwischen 7,0 und 8,0 liegen.

Normale Gartenerde, Torf oder nahrstoffreiche Substrate sind ungeeignet. Zu reiche Boden fuhren zu weichem Wuchs, der das alpine Erscheinungsbild zerstort und die Winterharte vermindert. Nach dem Pflanzen sollten Sie einen Drainagering aus feinem Kalksteinschotter rund um den Pflanzfuss aufbringen - dieser halt den Wurzelhals trocken und verhindert Faulnis.

Wasserversorgung

Das Filzige Felsenblumchen ist nach der Etablierung sehr trockenheitstolerant. Giessen Sie wahrend der Vegetationsperiode von April bis August massvoll, und lassen Sie das Substrat zwischen den Wassergaben fast vollstandig austrocknen. Giessen Sie immer am Fuss der Pflanze, nie uber das Laub. Im Winter muss das Substrat trocken bis leicht feucht sein - niemals nass.

In Regionen mit feuchten Wintern empfiehlt sich eine Uberdachung der Pflanze von November bis Marz, zum Beispiel durch ein schrag gestelltes Glasdachchen. Diese klassische Alpinistentechnik schutzt den empfindlichen Wurzelhals vor stehender Naesse, ohne die Luftzirkulation zu unterbinden.

Schnitt und Pflege

Das Felsenblumchen benotigt kaum Schnitt. Nach der Blute konnen die abgebluhten Blutenstande entfernt werden, was aber nicht zwingend ist - die kleinen Schotechen bleiben dekorativ. Im Fruhjahr werden abgestorbene Randrosetten entfernt.

Alle drei bis vier Jahre kann ein zu gross gewordenes Polster geteilt werden. Schneiden Sie gesunde Seitenrosetten mit etwas Wurzel ab und pflanzen Sie sie in frisches Substrat. Dunger sollte niemals verwendet werden - OBI und Hornbach bieten zwar viele Dungeprodukte an, aber fur Draba tomentosa sind alle ungeeignet, da sie zu uppigem, formlosem Wuchs fuhren.

Pflegekalender

Februar bis Marz: Kontrolle nach dem Winter. Entfernung abgestorbener Rosetten. Erganzung des Kalksteinschotters falls notwendig.

April bis Mai: Erste Wachstumsaktivitat. Gunstige Zeit fur Teilung und Ableger. Substrat leicht feucht halten.

Juni: Bildung der Blutenansatze. Entkrauten des Schotters rund um die Pflanze.

Juli bis August: Volle Blute. Weisse Bluten geniessen. Blutenstande nach Bedarf entfernen oder stehen lassen.

September bis Oktober: Samenreife abgeschlossen. Pflanze geht in die Ruhe. Giessen reduzieren.

November bis Januar: Winterruhe. Substrat trocken halten. Bei feuchten Wintern Regenabdeckung aufstellen.

Winterharte

Draba tomentosa ist ausserordentlich winterhart und vertragt Temperaturen bis -25 bis -30 Grad Celsius, was den USDA-Zonen 4 und 3 entspricht. In Deutschland, Osterreich und der Schweiz sind normale Wintertemperaturen kein Problem fur diese Art.

Die eigentliche Gefahr ist nicht die Kalte an sich, sondern die Kombination aus Frost und Naesse: Gefrorene Wurzeln in wassergesattigtem Boden sterben ab. Perfekte Drainage, ein trockener Wurzelhals und ein schutzendes Schottermulch rund um den Fuss der Pflanze sind die wirksamsten Massnahmen gegen Winterverluste.

Begleitpflanzen

Gute Nachbarn fur das Filzige Felsenblumchen sind andere kleine kalkreiche Alpenpflanzen: Draba aizoides (gelbbluhend, fruhjahrsbluher), Dryas octopetala, kleine Dianthus-Arten (Dianthus alpinus, Dianthus glacialis), kalkliebende Saxifraga-Arten, Sempervivum-Arten am unteren Steingartenrand und Phlox subulata fur fruhen Farbkontrast. Vermeiden Sie grossblattrige oder wuchernde Nachbarn, die das kleine Polster uberdrangen konnten.

Auf gardenworld.app finden Sie Steingarten-Entwurfe, die zeigen, wie man diese kleinen Bergpflanzen zu einer durchgangig bluhenden Komposition von Mai bis September zusammenstellt.

Abschluss

Das Filzige Felsenblumchen ist eine Pflanze fur geduldige und beobachtungsfreudige Gartner. Die Anspruche sind klar und konsequent zu erfullen: Sonne, Drainage, Kalk und Zuruckhaltung beim Giessen und Dunger. Wer diese Bedingungen bieten kann, wird mit einem jahrzehntelang treuen, silbergrau schimmernden Kissenpolster belohnt, das im Juli und August mit seinen weissen Blutchen verzaubert. Spezialisierte Steingartengartner und Alpenpflanzenzuchter sind die beste Bezugsquelle; gelegentlich findet man diese Raritaten auch in der Alpenpflanzen-Abteilung bei OBI oder Hornbach.

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