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Gelbe Bluten von Coincya richeri auf einem felsigen Alpenhang
Brassicaceae7. Juni 202612 min

Richers Lacksenf: kompletter Ratgeber

Coincya richeri

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Uberblick

Coincya richeri, auf Deutsch Richers Lacksenf, ist eine bemerkenswerte Staude aus der Familie der Brassicaceen (Kreuzblütengewachse). Die Art wurde 1983 formell von Greuter und Burdet unter diesem Namen beschrieben, nachdem sie unter den alteren Synonymen Brassica richeri (Vill.), Erucastrum richeri und Rhynchosinapis richeri bekannt gewesen war. Das Artepitheton richeri ehrt den franzosischen Botaniker Richer de Belleval, einen Pionier der franzosischen botanischen Wissenschaft. Das naturliche Verbreitungsgebiet ist auf die Sudwestalpen von Frankreich und Italien beschrankt, wo die Pflanze auf felsigen Kalksteinhangen, Bergwiesen und in der alpinen Zone wachst. Ihre leuchtend gelben Bluten - typisch fur Brassicaceen - erinnern an Senf oder Raukola und machen sie im Gelande leicht erkennbar. Auf gardenworld.app finden Sie Gartengestaltungsideen fur alpine Steingarten, in denen besondere Bergpflanzen wie diese im Mittelpunkt stehen.

Aussehen und Bluhzyklus

Coincya richeri hat den charakteristischen Wuchs einer Brassicaceen-Staude: aufrechte, gut verzweigte Stangel, die 20 bis 60 cm Hohe erreichen, und tief gefiederter oder geschlitzte Blatter. Die unteren Blatter sind groesser und etwas fleischiger, die oberen kleiner und stengelumfassend. Die gesamte Pflanze ist fein behaart und erscheint dadurch grau-grunlich oder mattgrün. Die Bluten sind leuchtend gelb, mit vier kreuzstandigen Kronblattern (Familienmerkmal), in Trauben angeordnet, die sich von unten nach oben geoffnen. Die Blute fallt in Juli und August, den Hochsommer der alpinen Zone. Danach bilden sich schlanke Schoten (Siliquen) mit kleinen runden Samen. Die Pflanze ist mehrjahrig, verhalt sich aber manchmal zweijahrlich: im ersten Jahr eine Blattrosette, im zweiten Jahr Blute und Aussaat.

Idealer Standort

In seiner naturlichen Umgebung wachst Coincya richeri auf vollsonnigen, sudexponierten felsigen Hangen und Kalksteinfelsen in der subalpinen und alpinen Zone. Im Garten benotigt er mindestens sechs Stunden direktes Sonnenlicht taglich auf gut durchlassigem Untergrund. Steingarten, felsige Boschengen, Trockenmauern und grossere Schotterrabatten sind ideale Standorte. Die Pflanze vertragt Wind gut - im Berghabitat selbstverstandlich - profitiert aber von einem etwas geschutzten Platz in besonders nassen Wintern.

Boden

Der Boden sollte gut durchlassig und vorzugsweise kalkhaltig sein. Auf schwerem, nassem oder stickstoffreichem Boden gedeiht die Pflanze schlecht. Bei der Pflanzung wird scharfer Sand oder Grobkies in einem Anteil von einem Drittel bis zur Halfte dem Substrat beigemischt. Auf saurem Boden kann eine Kalkgabe den pH-Wert auf den optimalen Bereich von 6,5 bis 7,5 anheben. Frischer Kompost und Stalldunger sind zu meiden; die Pflanze bevorzugt nahrstoffarme Boden mit geringer Konkurrenz.

Bewasserung

Einmal eingewurzelt ist Coincya richeri dank seines tief greifenden Wurzelsystems gut trockenheitstolerant. Wahrend der Vegetationsperiode ist Zusatzbewasserung nur bei aussergewohnlichen Trockenperioden notig. Zu viel Wasser schadet - besonders in Kombination mit Warme: Wurzelhalsfaule ist das grosste Risiko. Im Winter sollte die Pflanze moglichst trocken gehalten werden. Ein Kiesbett um den Wurzelansatz verbessert die Winterdrainage und schutzt vor Faulnis erheblich.

Schnitt

Nach der Blute konnen die verblühten Stángel knapp uber der Blattrosette zuruckgeschnitten werden, um die Pflanze kompakt zu halten. Wenn Sie Selbstaussaat wunschen, lassen Sie die Schoten vollstandig ausreifen, bevor Sie schneiden. Im Fruhjahr abgestorbene oder wintergeschadigte Triebe entfernen. Ein harter Ruckschnitt bis auf den Boden ist bei alteren Exemplaren zu vermeiden, da die Erholung langsamer erfolgt als bei jungen Pflanzen.

Pflegkalender

Januar bis Februar : Ruhephase, Drainage sicherstellen, junge Pflanzen mit einem Kiesband schutzen. Marz : Winterschaden prüfen, abgestorbene Triebe entfernen. April : Vegetationsbeginn, bei Bedarf dunne Schicht mageren Kompost auftragen. Mai : Wuchs nimmt zu, regelmagig jaten. Juni : Vorblüte, Drainage kontrollieren. Juli bis August : Vollblüte, nur bei extremer Trockenheit wässern. September : Schoten reifen, Selbstaussaat ermoglichen oder Ruckschnitt nach der Blüte. Oktober : Einzug, Bewasserung reduzieren. November bis Dezember : Winterruhe, gute Drainage ist entscheidend.

Winterharte

Coincya richeri ist eine echte Gebirgspflanze und winterhart in USDA-Hartezon 5 bis 8. Die Pflanze vertragt intensive Froste problemlos, sofern der Boden gut drainiert. In ihrem Hochgebirgshabitat sind monatelange Schneebedeckungen normal und sogar schützend fur die Rosette. Das eigentliche Problem in der Kultur ist nicht die Kalte allein, sondern die Kombination aus Kälte und dauerhafter Nassl - eine Situation, die in nordwesteuropaischen Garten haufiger vorkommt als im Naturlebensraum. Auf gardenworld.app finden Sie alpine Gartenprojekte, die zeigen, wie man solche Bergpflanzen optimal in nordereuropaischen Bedingungen integriert.

Begleitpflanzen

Im Steingarten harmoniert Coincya richeri gut mit anderen kalkliebenden Bergpflanzen ahnlicher Anspruche: Hungerblumchen (Draba), Steinsenfarten (Aethionema), Felsen-Fingerkraut (Potentilla rupestris), Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und niedrige Veilchenarten (Viola). Das leuchtende Gelb der Coincya-Bluten bildet einen wunderschonen Kontrast zu den Blautonen von Geranium subcaulescens oder Globularia-Arten. Diese Kombinationen ergeben eine authentisch alpine Steingartenflache mit Charakter von Juni bis September.

Fazit

Richers Lacksenf gehort zu den markantesten Kreuzblütlern der Sudwestalpen - ausserhalb botanischer Fachkreise wenig bekannt, aber eine Entdeckung wert. Leuchtend gelbe Bluten, bergiges Naturell und relative Pflegeleichtigkeit auf gut drainiertem Sonnenboden machen diese Staude zu einem echten Gewinn fur jeden Steingarten oder alpine Pflanzung. Wer eine ungewohnliche Pflanze mit langer botanischer Geschichte und echtem Bergcharakter sucht, trifft mit Coincya richeri eine sehr ausgezeichnete und empfehlenswerte Wahl.

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