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Nahaufnahme der Blüten der Stinkenden Hundskamille mit gelbem Zentrum und weißen Strahlenblüten in einer trockenen, sonnigen Wiese
Asteraceae5. April 202612 min

Stinkende Hundskamille: kompletter Ratgeber

Anthemis cotula

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Überblick

Die Stinkende Hundskamille (Anthemis cotula) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ursprünglich in Teilen Europas heimisch — darunter Albanien, Österreich, die baltischen Staaten und Weißrussland — hat sie sich in vielen Regionen als Neophyt etabliert. Typischerweise wächst sie an Wegrändern, Schuttplätzen und Ackerbrachen, wo der Boden gestört ist. Auf den ersten Blick ähnelt sie der echten Kamille, doch beim Zerreiben der Blätter entfaltet sie einen unangenehmen Geruch nach verbranntem Gummi oder faulendem Kraut.

Diese Pflanze eignet sich nicht für gepflegte Beetanlagen oder Terrassenkästen. Ihr intensiver Geruch und ihre schnelle Selbstaussaat machen sie zu einer ungebetenen Nachbarin für empfindliche Pflanzen. Dennoch hat sie ihren Platz in Wildgärten, Aufwertungsflächen oder als Lehrobjekt in Schulgärten. Auf gardenworld.app kannst du ein Pflanzschema erstellen, das wilde, sich selbst entwickelnde Pflanzengemeinschaften wie diese berücksichtigt — mit Hinweisen zur Geruchsentwicklung und Ausbreitungskontrolle.

Aussehen & Blühzyklus

Die Stinkende Hundskamille erreicht eine Höhe von 30 bis 60 cm und bildet aufrechte, stark verzweigte Stängel mit fiederspaltigen, dunkelgrünen Blättern. Die Blätter sind fein behaart und geben bei Berührung sofort den charakteristischen Gestank ab. Von Juni bis September erscheinen korbblütler-typische Blüten: weißliche Strahlenblüten umschließen eine gelbe, knopfartige Scheibe von 1,5 bis 2,5 cm Durchmesser.

Im Gegensatz zur echten Kamille (Matricaria chamomilla) bleibt die Blütenmitte starr und flacht sich nicht ab. Die Blütezeit ist lang und besonders reich an sonnigen, trockenen Standorten. Da die Pflanze sich leicht selbst aussät, kehren oft schon im Folgejahr neue Exemplare an unerwarteten Stellen auf. Wer sie nicht unkontrolliert wachsen lassen möchte, sollte die verblühten Köpfe entfernen.

Idealer Standort: Sonne, Schatten oder Halbschatten

Vollsonne ist ideal — mindestens 6 Stunden direktes Sonnenlicht täglich. Die Pflanze gedeiht am besten auf offenen, trockenen Flächen wie Schotterbeeten, Brachflächen oder Wegrändern. Im Halbschatten wird sie schlaff, wächst in die Länge und blüht schlechter.

Vermeide Pflanzstellen in der Nähe von Sitzplätzen, Wegen oder Eingangsbereichen — der Geruch haftet an Kleidung und Schuhen. Besser geeignet ist sie für wilde Gartenecken oder als Pionierpflanze auf schlechtem Boden. Auf gardenworld.app kannst du die Sonneneinstrahlung deines Gartens analysieren und exakt berechnen, wo diese Pflanze wachsen kann, ohne die Nutzung deines Gartens zu stören.

Boden & Untergrundanforderungen

Anthemis cotula ist sehr anspruchslos. Sie wächst auf sandigen, lehmigen oder steinigen Böden mit einem pH-Wert von 5,5 bis 7,5. Sie bevorzugt durchlässige, nährstoffarme Böden — hier verdrängt sie andere Arten oft erfolgreich. Vermeide schwere, staunasse Lehmböden, die Wurzelfäule begünstigen.

Düngung ist nicht nötig. Zu viel Nährstoffzugabe schwächt die Pflanze und fördert krankheitsanfälliges Wachstum. Wer sie gezielt ansäen möchte, streut die Samen im Frühjahr auf nackten Boden. Die Keimung erfolgt ab Bodentemperaturen von 10–15 °C.

Bewässerung: Wann und wie viel

Einmal etabliert, ist die Pflanze extrem trockenheitstolerant. Gießen nur bei anhaltender Trockenheit in den ersten 4–6 Wochen nach der Keimung. Danach reicht Regenwasser. Bei Bedarf maximal 5–10 Liter pro m² pro Woche geben. Direktes Blattgießen vermeiden — es begünstigt Pilzbefall.

Schnitt: Wann und wie

Kein Formschnitt nötig. Zum Begrenzen der Selbstaussaat sollten verblühte Blütenstände entfernt werden. Den kompletten Pflanzenbestand im Spätherbst oder Frühwinter bodennah abschneiden (ca. 5 cm stehen lassen). Handschuhe tragen — der Pflanzensaft kann bei empfindlicher Haut Reizungen verursachen.

Pflegekalender

  • Jan: Ruhephase, Pflanzenrückstände kontrollieren
  • Feb: Keine Maßnahmen erforderlich
  • Mär: Bodenerwärmung, erste Keimlinge möglich
  • Apr: Unerwünschte Sämlinge entfernen
  • Mai: Erste Blüten erscheinen, sparsam gießen bei Trockenheit
  • Jun: Hauptblütezeit, auf Schädlinge achten
  • Jul: Blüte hält an, verwelkte Blüten entfernen
  • Aug: Samen reifen nach, Vorbereitung auf Aussaat
  • Sep: Letzte Blüten, Samenverbreitung beobachten
  • Okt: Stängel zurückschneiden, Pflanzenreste entfernen
  • Nov: Laubfrei halten, um Schimmel zu vermeiden
  • Dez: Volle Winterruhe

Winterhärte & Schutz

Als einjährige Pflanze überwintert Anthemis cotula nicht im aktiven Zustand. Ihre Samen bleiben aber im Boden über die kalte Jahreszeit und keimen im Frühjahr ab 10 °C. Sie ist für die USDA-Zonen 5 bis 9 geeignet und verhält sich in milden Regionen wie eine Winterannuelle.

Begleitpflanzen & Kombinationen

Vermeide Kombinationen mit empfindlichen Kräutern wie Minze, Thymian oder Salbei. Besser geeignet sind robuste Arten wie Schafgarbe (Achillea millefolium), Brennnessel (Urtica dioica) oder Schwarzdistel (Centaurea nigra). Diese Mischungen funktionieren gut in naturbelassenen Bereichen. Bienen meiden die Pflanze, aber einige Kleinschwebfliegen oder Fliegenarten können angelockt werden.

Abschluss

Die Stinkende Hundskamille ist keine Lieblingspflanze vieler Gärtner — und das zu Recht. Ihr Geruch und ihre invasive Natur schließen sie aus gepflegten Gärten aus. In ökologischen Projekten, Brachflächen oder Bildungsgärten hat sie jedoch eine Berechtigung. Wer sie trotzdem pflanzen möchte, sollte vorsichtig sein: Sämlinge kontrollieren, Abstand zu Wohnbereichen halten. Samen oder Jungpflanzen gibt es gelegentlich bei Baumärkten wie OBI oder Hornbach, aber oft irrtümlich als echte Kamille deklariert. Auf gardenworld.app lässt sich ein individueller Pflegekalender erstellen, der Warnungen vor Samenverbreitung enthält und die jährliche Entwicklung dieser Pflanze steuert.